Die ersten Reisen
1999 wagte ich mich das erste Mal alleine in die große weite Welt. Mit einem Interrail-Ticket fuhr ich durch halb Europa, sah mir vor allem ein wenig Frankreich und Spanien an, und schaffte es sogar nach Marokko, wo ich mir in Rabat eine Lebensmittelvergiftung holte.

Mit gerade einmal zwanzig Jahren auf dem Buckel hielten mich aber der ständige Durchfall und die Magenkrämpfe nicht davon ab, von Rabat mit dem Zug und einer Fähre zurück nach Europa zu gondeln, und mich von hier wieder mit Zug und einer Fähre bei ständigem Lauf zur Toilette nach London zu quälen. In London hielt ich es bis am nächsten Morgen aus, dann rief ich meine beste Freundin an und bat sie mich irgendwo abzuholen. Mein Geld reichte zu jenem Zeitpunkt gerade einmal für ein Flugticket nach München. Den Flug selbst – meinen ersten übrigens – verbrachte ich überwiegend in einer kleinen fensterlosen Box. Von München aus nahm ich die Bahn Richtung Wien, meine beste Freundin kam mir entgegen und wir trafen uns in Salzburg. Die gesamte Fahrt lief ich permanent auf die Toilette, denn auch da lief alles, das ich zu mir nahm, durch mich hindurch. In Wien holten uns meine Mom und meine Schwester ab und es ging gleich weiter ins Tropeninstitut irgendeines Krankenhauses, wo man mir Breitbandantibiotika gab. Schon nach der ersten Tablette spürte ich die Wirkung, denn es machte sich eine wohlige Erleichterung in meinem Darm breit.

Auf dieser Reise sah ich neue Länder, traf neue Menschen, kämpfte mit mir selbst und verlor an die 7 kg an Gewicht innerhalb einer Woche, denn ich wollte nicht aufgeben, mein hart erarbeitetes Geld für das Interrail-Ticket flöten sehen, aber mich im Ausland zum Arzt zu gehen traute ich mich nicht, da ich weder eine Auslandsversicherung hatte, noch wusste, wie ich dies anstellen sollte. Was für ein gelungenes erstes Abenteuer für einen damals sehr jungen Erwachsenen, der die Welt entdecken wollte.

Seit damals sind viele Jahre ins Land gezogen. Ich bin quer durch Europa getrampt, habe auf den Stränden von Kroatien bis Portugal übernachtet, war mit meinem Bruder in Schweden ein bisschen wildcampen.



Asien
Irgendwann machte ich es sehr guten Freunden nach und stieg endlich in ein Flugzeug Richtung Asien, wo ich nun bereits zum vierten Mal bin und insgesamt ein bisschen(!) in Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam unterwegs war. Die meiste Zeit war ich auf einem Roller unterwegs und bin mit diesem Kreuz und Quer auf Land oder ein paar Inseln gefahren, zum Teil war ich bis zu 32 Stunden mit dem Bus auf holprigen Straßen oder 3 Tage mit dem Zug unterwegs.





Es sind so viele Bilder entstanden und so viele Geschichten, ich wüsste nun gar nicht, wo ich denn zum erzählen anfangen soll. Aber …
Ein 20-jähriges Jubiläum aber: Was nun?
Nach so vielen Jahren des Reises bin ich nun tatsächlich – wer hätte das je von mir gedacht – ein wenig reisemüde geworden und habe so etwas wie Heimweh.
Mit knapp 41 ist es vielleicht mal an der Zeit endlich Ruhe mit dem ganzen Scheiß zu geben und irgendwo sesshaft zu werden. Hahaha …
Neue Länder, fremde Kulturen, wilde Sprachen, unvorstellbare Landschaften, eigenartiges Essen – ich möchte diese sehen und hören, spüren und schmecken! Was ich aber jetzt möchte, ist nach so vielen ausgiebigen Reisen einfach nur an einem Ort zu sein und mich auf einen schnöden Urlaub um die Ecke freuen.
Prioritäten ändern sich. Menschen ändern sich auch. Manche brauchen ein bisschen länger dafür. So wie ich. Vielleicht musste ich einfach für lange genug weg, um endlich zu erkennen, was ich denn direkt vor der Nase habe. Routine kann manchmal extrem lähmend, manchmal kann sie aber einfach auch befreiend sein.
Ich freue mich auf die wiederkehrenden Familientreffen, weil hier ständig viel gelacht und viel Unfug getrieben wird, aber auch ernste Gespräche geführt werden. Ich freue mich auf das Donnerstagsbier mit meinen Freunden, weil es nichts besseres gibt, als mit den besten Freunden ab und zu einfach nur den letzten geistigen Müll von sich zu geben. Ich freue mich Freunde in ihrem Forsthaus zu besuchen und zu wissen, dass ich da gut aufgehoben bin. Ich freue mich auf meine Kolleginnen und Kollegen, weil mir diese den Arbeitsalltag unfassbar bereichern. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten gemeinsamen Urlaub, weil es da hoffentlich wieder die weltbesten Cevapcici geben wird. Und ich freue mich vor allem auf all die lieben Menschen, die Teil meines Lebens sind. Ich vermisse euch!