Als Kind ständig in Bewegung
Schon als Schüler habe ich mich gerne im Sport mit anderen gemessen. Beim Zirkeltraining war ich, da unfassbares Leichtgewicht gewesen, unschlagbar. Volleyball habe ich ebenfalls gern gespielt und mich dabei auch mal ins Zeug gelegt. Ansonsten war für mich als Jugendlichen das Radfahren der Sport der Wahl.
Radfahren ist mir bis heute als liebste Sport- aber auch Fortbewegungsart geblieben. Als Erwachsener war ich aber auch jahrelang in irgendwelchen Fitnessbuden pumpen (böse Zungen würden jetzt sagen, dass man davon ja gar nichts merkt, aber: ihr habt ja keine Ahnung, was für ein Spaghetti ich heute wohl ohne das Pumpen wäre … LOL), habe immer wieder mal Yoga gemacht oder so wie zur Zeit, allerdings wohl in Zukunft nicht mehr, Wing Chun trainiert. Ich mochte mich schon immer gerne bewegen und sei es, dass ich einfach auf einen Baum gekraxelt bin.
Der Vollständigkeithalber muss ich, was Bewegung anbelangt, zwei besonders fordernde Aktivitäten erwähnen: Einerseits das jahrelange Abtanzen auf irgendwelchen Partys. Dieses wird, was den Trainingseffekt und den Verbrauch an Kalorien betrifft, oft übersehen und massiv unterschätzt. Andererseits das berühmt-berüchtigte DoBi – das Donnerstagsbier. Das manchmal sehr kompetitive Krügelheben ist für die Anwesenden meist eine relativ einfache Übung, doch das nächtliche nach Hause Walken ist es das nicht mehr. Google meint, es sein vom Kent in der Brunnegasse zu mir nach Hause schlappe 4,1 Kilometer und ist der Ansicht, das sei in ungefähr 50 Minuten zu schaffen. Warum ich dann aber regelmäßig eine Ewigkeit nach Hause brauche und es sich am nächsten Tag so anfühlt, als wäre ich am Tag zuvor auf den Everest gestiegen, ist mir ein Rätsel. Nu, wenigstens bleibe ich top fit.
Sport auf Reisen
Auf langen Reisen ist das mit der regelmäßigen Bewegung aber manchmal gar nicht so einfach, zumal ich mich nicht permanent in Unkosten stürzen will: Fahrrad mieten hier, Tauchen dort, Surfen wieder wo anders. Weil ich unfassbar verkürzt bin und ich es ohnehin schon immer mochte habe ich hier mit einem Yoga-Kurs begonnen. Das Studio ist zwei Minuten von meiner Unterkunft entfernt und liegt am Weg zur Uni, die unbegrenzte Karte für einen Monat (7 Tage in der Woche, bis zu 5 Kurse am Tag, maximal 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer) kostet mich gerade mal € 60,—. Man gönnt sich ja sonst nichts. Und wirklich: Ich bin wirklich sehr sparsam hier. Die Yogalehrerin und die wenigen anderen Teilnehmerinnen sind sehr nett, und außerdem wird während dem Kurs auch viel gelacht, was ich ja sehr mag. Die Thais lachen sich nämlich krum, wenn sie den Farang (den Weißen von irgendwo) beim sich Herumbiegen zusehen. Was für ein Spaß.
Ansonsten kann man inzwischen so gut wie überall für relativ wenig Geld in einem Gym Gewichte schupfen, aber natürlich auch am Zimmer oder in irgendeinem Park gratis herumhampeln. Das ist ab und zu ja wirklich ganz nett, weil es hier in den zahlreichen Parks schon um 5:00 Uhr mit Sport los geht, im Vergleich zu Hanoi also nicht nur mit gemütlichen Bewegungseinheiten.
Laufen
Aber so richtig bewegen tut man sich in einem Gym ja auch nicht, zumal ja alles an einem Ort geschieht, und auch das Yoga findet an einem fixen Ort statt und besteht meist aus dem Verharren in unzähligen tierischen Positionen wie Hund, Hase, Schildkröte und was das Tierreich halt noch alles so hergibt. Daher fiel meine Wahl der Bewegungsart bei meinen letzen Reisen auf das Laufen – letztes Jahr sogar mit meinem ersten Halbmarathon in Lamphun, Thailand – und fiel auch dieses Jahr auf dieses.
Einer meiner besten Freunde ist ein Läufer. Der läuft mal am Wochenende gemütlich seine 30 Kilometer im Wienerwald herum und zuckt dabei wahrscheinlich nicht mal mit den Augen. Ich bin je nach Tagesverfassung schon nach 15 Kilometern mal mehr mal weniger völlig am Sand. Da ist es doch fein, wenn man sich vornimmt, im November 2019 mehr Kilometer zu laufen als dieser eine Freund.
Im Sommer, bei Schönwetter – ja da kann jeder schnell mal laufen. Aber im Winter? Im Winter, da laufen halt jene, die aus einem ganz anderen Holz geschnitzt sind. So wie ich halt.
Chiang Mai ist für seine strengen Winter bekannt. Die Leute hier reden langsam schon vom kommenden Winter und rüsten sich für diesen mit dünnen Jäckchen aus. Dort und da sieht man auch einen Straßenstand mit Mützen. Diese machen hier auch Sinn, zumal es Dank Klimaanlagen in den Cafés und Einkaufszentren um die 10 Grad Celsius hat. In der Bibliothek der Chiang Mai Universität ist es zum Beispiel so kalt, dass ich dort ohne lange Hose und Pullover nicht länger als eine Stunde aushalte. Dann gehe ich meistens nach draußen und versuche an der Sonne aufzutauen. Studierende sitzen hier in Decken eingehüllt, schütten aber dennoch eisgekühlten thailändischen Milchtee in sich hinein.
Dass es zu Hause in Wien wettermäßig immer übler wird und mein Freund neben einem 40-Stunden-Job, Kids und sonstigem Leben wahrscheinlich gar nicht weiß, wo, bis auf das Wochenende, er die Zeit zum Laufen nehmen soll, spielt hier gar keine Rolle. Es ist ja nicht so, dass ich hier den ganzen Tag nichts zu tun hätte. Außerdem bin ich schnell mal gearscht und für eine ganze Woche beschäftigt, wenn er mal einfach so 30 km an einem Tag laufen geht.
Und so glotze ich permanent auf Runtastic und lache mir einen weg, weil ich so unfassbar gut bin, quasi unschlagbar. Ich bin einfach der Beste. Von zwei. Na gut, von drei, fast hätte ich den zweiten Läuferfreund vergessen, aber den sehe ich einfach nicht als eine ebenbürtige Herausforderung, seine zweistelligen Kilometerzahlen sind ja fast schon lächerlich.

Ich sags euch: Es sind halt die Kleinigkeiten, die das Leben lebenswert machen. Zum Beispiel meinen Freund im Laufen zu schlagen und auf Runtastic am Monatsende erster zu sein. Verdient, wie ich finde. Aber nur im November, denn: In Wien laufen kann ja jeder.
😉
(Bussl, mein Lieber. Du bist einfach der bessere Läufer von uns. ☺️🙏 Was den Dezember betrifft: Ich gebe freiwillig auf, das war mir einfach zu hart … 😅)